v. l. Sophie von Kessel, Norman Hacker, Genija Rykovan © Matthias Horn

Zurücklehnen, genießen

Martin Kušej verabschiedet sich mit der Komödie »Der nackte Wahnsinn« vom Residenztheater.

Das Theater spielt Theater. Das ist spätestens seit Shakespeares Sommernachtstraum ein großer Spaß: Den Handwerkern, die ein Theaterstück einstudieren, sieht man mindestens so gerne dabei zu wie den Liebenden, die durch den sommerlichen Wald irren. Das wusste auch Michael Frayn, darum ließ er den Shakespear'schen Wald einfach weg und konzentrierte sich in seinem 1982 uraufgeführten Stück Der nackte Wahnsinn voll und ganz auf den Irrsinn des (Tournee-)Theaterbetriebs. Die Liebenden sind gleich die Schauspieler, die ein unsägliches Stück mit dem ebenso unsäglichen Titel Nackte Tatsachen proben und dabei auf und hinter der Bühne genauso hilflos und verblendet herumirren wie die Shakespeare-Liebenden im Wald.

In drei Akten führt Frayn den alltäglichen Wahnsinn Theater vor – und Martin Kušej folgt ihm mit Präzision durch alle Untiefen. Kušej, der während seiner Intendanz am Residenztheater bisher nicht als die ganz große Spaßkanone aufgefallen ist, will es in seiner Abschiedsinszenierung wissen und einen humoristischen Schlusspunkt setzen. Und: Das gelingt. Frayns Komödie ist natürlich ein wenig in die Jahre gekommen, hat aber auch in Zeiten von #metoo noch den ein oder anderen Gag in Sachen männliche Dominanz im Theaterbetrieb zu bieten. Und ja, ein kleines selbstironisches Augenzwinkern spielt auch bei Kušej mit, wenn er den Regisseur des Ganzen, der nicht gerade durch große Kompetenz auffällt, dafür aber die Regieassistentin schwängert und zeitgleich eine Affäre mit der Jungschauspielerin pflegt, »Martin K.« nennt. Norman Hacker hat sichtlich Spaß an der Rolle des Regisseurs, der nun noch eben hier in Bayern die Klamotte probt, während er in Gedanken längst in Wien am Burgtheater ist.

Anne Fritsch

Den vollständigen Artikel finden Sie im Applaus-Heft 12/2018.


Michael Frayn: Der nackte Wahnsinn. Nächste Vorstellungen am 9., 19., 25. und 31. Dezember, Residenztheater. Karten: Tel. (089) 21 85 19 20 und unter staatstheater-tickets. bayern.de.

 

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