Carolin Hartmann, Jakob Geßner, Oleg Tikhomirov und Mauricio Hölzemann © Gabriela Neeb

Kunstvolle Armseligkeit

Volkstheater-Intendant Christian Stückl bringt Ödön von Horváths Drama »Glaube Liebe Hoffnung« mit einem spielwütigen Ensemble auf die Bühne

Für mich«, hat Ödön von Horváth einmal gesagt, »ist die Komik etwas Tragisches«. Das zeigt sich exemplarisch in seinem Stück Glaube Liebe Hoffnung. Christian Stückl hat es am Münchner Volkstheater inszeniert – mit viel Witz, mit Komik und Humor. Was nichts daran ändert, dass sich die Dinge, die ohnehin im Argen liegen, immer zum noch Schlechteren wenden in dieser genauen und schonungslosen Beobachtung einer Gesellschaft, die sich aufgrund ihrer Armut auch eine Moral nicht mehr leistet.

Gott hat die Figuren aus Ödön von Horváths Glaube Liebe Hoffnung ohnehin längst allesamt verlassen. Aber auch der gefallene Engel hat kein Interesse an ihnen: Nicht einmal ein schäbiger Teufelspakt ist ihnen vergönnt. Damit sich also überhaupt jemand ihrer annimmt, bleibt diesen Elenden nichts anderes – und Schlimmeres –, als sich an ihresgleichen zu wenden. Doch an Niedertracht sind die Horváth’schen Menschen dem Satan ebenbürtig; und haben anders als dieser nicht einmal etwas zu bieten dafür, dass man sich ihnen ausliefert.

Die junge Elisabeth glaubt anfangs, noch recht billig wegzukommen. Nicht ihren Körper, sondern ihren Leichnam möchte sie verkaufen: Wenn sie einmal tot ist, soll er der Wissenschaft dienen. Vom Honorar möchte aber die lebendige Elisabeth profitieren. Doch was heißt das in ihrem Fall schon: Schulden muss sie bezahlen und hofft einfältig, diese mit Geld begleichen zu können. Sie ist die am wenigsten verdorbene unter allen Kreaturen in diesem Drama, also auch die naivste. Sie erkennt nicht, dass ein Leben wenig wert ist und eine Leiche gar nichts – das Angebot ist größer als die Nachfrage.

Stefan Fischer

 

Den vollständigen Artikel finden Sie im Applaus-Heft 01/02 2019.


Ödön von Horváth: Glaube Liebe Hoffnung. Nächste Vorstellungen am 12. und 13. Januar, Volkstheater. Karten: Tel. (089) 5 23 46 55.

 

Theater

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