Mahin Sadri, Christian Löber, Hintergrund: Gro Swantje Kohlhof © Thomas Aurin

An »Macbeth« scheitern

Amir Reza Koohestanis selbstironischer Blick auf ein Theater, das auch heutzutage relevant sein will.

An Macbeth scheitern? An diesem Stück, in dem William Shakespeare vorführt, wozu der Mensch so fähig ist, wenn er die Macht in greifbarer Nähe wähnt. In dem die Frauen Hexen sind, die durch ihre Prophezeiungen zum Morden anstiften. Oder eben die Ehefrau, die aus ihrem Schwächling von Mann einen echten Herrscher machen will – um jeden Preis. Doch, dieses Stück bietet einiges Potenzial, an ihm zu scheitern. Da ist es vielleicht nicht der schlechteste Ansatz, eben dieses Scheitern zu thematisieren. Genau das macht Amir Reza Koohestani jetzt an den Kammerspielen. Man sieht hier keine fertige Macbeth-Inszenierung, sondern wohnt den Proben bei. Genauer: deren Scheitern.

Es beginnt alles recht souverän: Walter Hess betritt im Schottenrock die Drehbühne, die ein T-förmiger Aufbau in Schlaf-, Badezimmer und Pissoir unterteilt (Bühne: Mitra Nadjmabadi). Hess ist blutbespritzt, spielt er doch Duncan, König von Schottland und das erste Mordopfer Macbeth’. Er gibt nützliche Tipps zur Fleckenentfernung, da einiges an Blut fließen wird in diesem Stück. Dieser Prolog ist eine der vielen falschen Fährten, auf die Koohestani sein Publikum an diesem Abend lockt. Denn Blut wird hier kaum vergossen werden, vielmehr sieht man die Beteiligten mit den ihnen zugewiesenen Rollen hadern. Christian Löber spielt nicht nur die Hauptrolle, sondern auch den Regisseur des Ganzen. Im schlabberigen Bademantel versucht er vergeblich, seinen aufmüpfigen Darstellern Kontra zu bieten. Da ist Stefan Merki, der den Banquo spielen soll, tatsächlich aber alle mit Reflexionen zu Rolle und Stück volltextet und darüber das Spielen gänzlich vergisst. Da ist Gro Swantje Kohlhof, eine Lady Macbeth, die sich mit Rolle und Text ganz und gar nicht identifizieren will – und schließlich eine Woche vor der Premiere hinschmeißt. Da ist Mahin Sadri, die als Lady Macbeth einspringt, aber nicht weniger Diskussionsbedarf sieht: Sie spricht die Sprache nicht, ist die Frau des Regisseurs und ersetzt eine Schauspielerin, die kurzfristig ausgestiegen ist – da ist es nicht ganz leicht, einen eigenen Zugang zu finden. Und da sind Kamel Najma und Kinan Hmeidan aus dem Open Boarder Ensemble der Münchner Kammerspiele, die Donailbain und Rosse spielen und nicht sicher sind, ob sie als Nächstes aus der Produktion fliegen, sich aber als Quoten-Syrer versichern: »Ohne uns ist das Stück nicht politisch.« Die Einzige, die nicht hadert, sondern in gewohnt lakonischer Art Songs aus den Hexen-Texten zum Besten gibt, ist Polina Lapkovskaja alias Pollyester.

Anne Fritsch

 

Den vollständigen Artikel finden Sie im Applaus-Heft 01/02 2019.


Macbeth nach William Shakespeare. Nächste Vorstellungen am 9., 13. und 27. Januar, Kammer 1. Karten: Tel. (089) 23 39 66 00.

 

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