Thomas Köcks Inszenierung »dritte republik« ©Kraft Angerer 

»Herzstück und Inkubator«–Radikal Jung

Mit 15 Produktionen so groß wie nie präsentiert sich im Volkstheater das Festival Radikal Jung.

München und die Welt« – das könnte das Motto des diesjährigen Festivals für junge Regie am Münchner Volkstheater sein. Findet zumindest Kulturreferent Hans-Georg Küppers, der das Programm des Festivals Radikal jung in einer launigen und emotionalen Pressekonferenz mit Jurymitglied Kilian Engels und Volkstheater-Intendant Christian Stückl vorstellt. Denn neben drei Münchner Inszenierungen sind solche aus Deutschland, Frankreich, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und sogar eine aus den USA eingeladen. Die diesjährige Ausgabe vom 27. April bis 5. Mai ist mit 15 Produktionen die größte bisher (und wenn das Volkstheater erst mal in sein neues Zuhause eingezogen ist, darf es gerne noch weiter wachsen, wenn es nach Kilian Engels geht). Ganz ohne Quote liegt der Frauenanteil deutlich über 50 Prozent, was sich endlich auch im Titel niederschlägt »Festival für junge Regie«. Küppers zeigte sich beeindruckt davon, wie es der Jury gelingt, »den Wandel des Theaters und der Gesellschaft« seit nunmehr 15 Jahren abzubilden. Das Festival sei zudem »Herzstück und Inkubator« des Volkstheaters, das viele seiner eigenen Regisseure hier entdecke. »Das ist mein Herzensprojekt«, sagt Kilian Engels, Chefdramaturg und künstlerischer Leiter des Festivals. Und bedankt sich bei Küppers dafür, dass die Stadt München großzügig einsprang, als der Sponsor E.ON abgesprungen war. »Ohne Sie würde auch ich jetzt nicht hier stehen.« Den Anfang macht eine Komödie einer alten (jungen) Bekannten: Nora Abdel-Maksouds Café Populaire vom Theater am Neumarkt Zürich. Ein Stück, das »uns immer wieder vor Augen führt, wie sehr wir durch unsere Mittelschichtsherkunft geprägt sind«, sagt Engels und gibt gleich einen kleinen Vorgeschmack auf den Humor dieser Aufführung: »Warum kann man im Theater so gut Witze über arme Leute machen? Weil sie nicht da sind.« 

Neben der Hausproduktion des Volkstheaters (Amsterdam in der Inszenierung von Sapir Heller) sind dieses Mal auch das Residenztheater (Der Mieter, inszeniert von Blanka Rádóczy) und die Münchner Kammerspiele vertreten (Yung Faust von Leonie Böhm). So ist Annette Paulmann, die ihren Platz in der Jury mit dieser Ausgabe an die Journalistin Christine Wahl abgetreten hat, zumindest als Schauspielerin Teil des Festivals. Wie schön! Anta Helena Recke, die im vergangenen Jahr mit ihrer Mittelreich-Überschreibung für Furore sorgte, ist mit Angstpiece, einer Auseinandersetzung mit der Agoraphobie, der Angst vor öffentlichen Plätzen – also auch Theaterbühnen – zu Gast.

Aus New York kommt die am weitesten gereiste Produktion der Festivalgeschichte: [50/50] old school animation. Der »gruselige Abend« der Woche, meint Engels und zitiert eine Kritik über das Zwei-Frauen-Stück: »Give them 50 minutes and they take one year of your life.« Na denn. Das Hamburger Thalia Theater ist mit der Uraufführung von Thomas Köcks dritte republik in der Inszenierung von Elsa-Sophie Jach und dem Autor eingeladen, das Berliner Ensemble mit dem Doppelabend Revolt. She said. Revolt again./Mar-a-Lago., inszeniert von Christina Tscharyiski, die im vergangenen Jahr den Publikumspreis für JA EH! Beisl, Bier und Bachmannpreis erhielt. Ein Dokumentartheaterstück kommt vom Staatsschauspiel Dresden: Operation Kamen von Florian Fischer. Am Ende des Festivals gibt es noch einmal eine Komödie: Um die Wette vom Landestheater Niederösterreich St. Pölten. Inszeniert hat es Philipp Moschitz, Absolvent der Theaterakademie August Everding, Schauspieler am Metropoltheater – und Regisseur. Zwischen zwei Komödien also die größtmögliche Vielfalt, so Engels: »Wir sind das diverseste deutsche Festival – und das weiblichste.« Und zu Recht auch eines der selbstbewusstesten. 

Anne Fritsch


Radikal jung. Das Festival für junge Regie. 27. April bis 5. Mai, Volkstheater.

Karten: Tel. (089) 5 23 46 55, www.muenchner-volkstheater.de

 

Theater

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