Der kleine Prinz (Ferdinand Schmidt-Modrow) (c) Verena Mittermeier

Reise zu den Sternen

Unter freiem Himmel inszeniert Sascha Fersch im Hofspielhaus den Klassiker »Der kleine Prinz«.

Theater kann manchmal ganz einfach sein. Denn im Theater »kann eine kleine leere Bühne auch eine große leere Wüste sein«, wie Sascha Fersch vollkommen zu Recht sagt. Und das Münchner Abendlicht wiederum kann die sengende Sonne über der Sahara sein. Fersch inszeniert im Hofspielhaus Den kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupéry mit Ferdinand Schmidt-Modrow in der Titelrolle. Der Innenhof des Hofspielhauses fasst 50 Zuschauer nebst einer Bühne – und ist doch kleiner als das Wohnzimmer mancher Münchner. Trotzdem wird sich dort eine Geschichte abspielen, die von der Einsamkeit zweier Menschen in einer lebensfeindlichen Weite erzählt, die unendlich erscheint.

Fersch und Schmidt-Modrow hoffen natürlich auf gutes Wetter in diesem Sommer – damit sie bis Ende September tatsächlich so oft wie möglich unter freiem Himmel spielen können und nicht auf die Kellerbühne ausweichen müssen. Eine Geschichte, die auch von einer Reise zu den Sternen handelt, ist unter freiem Himmel schließlich am besten aufgehoben. Außerdem will Sascha Fersch sich die natürlichen Lichtverhältnisse zunutze machen: »Beim Film liefert die blaue Stunde das perfekte Licht – die nehmen wir auf der Bühne genauso gerne mit. Es passt zur Energie des Stücks: Am Anfang erzählen wir von der sengenden Wüste, dafür ist das Sonnenlicht ideal. Wenn die ruhigen Momente kommen, haben wir in der Dunkelheit den Fokus dafür.«

Was Fersch noch gelingen muss, ist, dass die Videoprojektionen gut sichtbar sind, solange es noch nicht richtig dunkel ist. Denn die Figuren, denen der kleine Prinz auf den verschiedenen Planeten begegnet, dem Fuchs also, dem Geografen, dem Geschäftsmann, der Königin und der Rose, sie werden eingespielt. Gerd Lohmeyer, Christine Blumhoff, Stefan Murr, Veronika von Quast und die Leiterin des Hofspielhauses, Christiane Brammer, werden in diesen Rollen zu sehen sein. Die Inszenierung ist also prominent besetzt – auch Ferdinand Schmidt-Modrow ist vielen Zuschauern bekannt, unter anderem aus der BR-Vorabendserie Dahoam is dahoam, in der er seit März 2017 den Pfarrer Simon Brandl spielt, sowie aus den Kinofilmen Die Welle von Dennis Gansel sowie Beste Zeit, Beste Gegend und Beste Chance von Marcus H. Rosenmüller.

Schmidt-Modrow steht also oft vor der Kamera und auf der Bühne mitunter vor 2.000 Zuschauern. Es ist ihm insofern eine willkommene Abwechslung, in Reichweite vor dem Publikum zu stehen: »Man ist im Hofspielhaus ausgeliefert. Aber das macht es eben aus: Man hört jedes Flüstern, jedes Knistern, spürt die Energie ganz unmittelbar. « Der Regisseur Sascha Fersch pflichtet ihm bei: »Je näher man an den Leuten dran ist, desto weniger Effekte braucht es, um sie für eine Geschichte zu begeistern.«

Er und Schmidt-Modrow wollen sich gemeinsam mit Martin Halm auf die Beziehung der beiden Figuren konzentrieren, die sich in der Wüste begegnen. Halm spielt den abgestürzten Piloten, der dem kleinen Prinzen begegnet – eine surrealistische Situation. Durch die Videos soll deutlich werden, dass die Geschichten, die der kleine Prinz von seiner Reise erzählt, eben Projektionen sind. Sie lassen in der Schwebe, ob der Prinz all das tatsächlich so erlebt hat, wie er sich nun erinnert. Der Prinz ist eine wunderliche Figur, die Schmidt-Modrow durch sein Spiel menschlicher machen möchte. »Er ist ein naives kleines Kerlchen, aber nicht dumm naiv, sondern wissbegierig «, sagt Schmidt-Modrow. Er hat, so erzählt er, den Text oft gelesen und immer wieder etwas Neues darin entdeckt. Eines aber sei gleich geblieben: »Im Endeffekt war ich immer verliebt in diesen Text.«


Antoine de Saint-Exupéry: Der kleine Prinz. 12. Juli bis 30. September, 20 Uhr, Open Air im Hofspielhaus. Karten: Tel. (089) 24 20 93 33.

 

Theater

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